Kappeler Leit

 

 

Baldur Studt

Jahrgang 1938; in Kappeln geboren und auch in der Kappeler Kerch getauft und hier später konfirmiert.
Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft. Baldur besuchte in Kappeln die ehemalige Dorfschule, die direkt gegenüber dem Elternhaus lag. Das war nicht unbedingt ein Vorteil, denn wann immer er etwas ausgefressen hatte, rief der Lehrer es dem Vater zu und nicht selten war das Ergebnis, dass er die Schläge für Missetaten zweimal einstecken musste. Fast wäre er ums Leben gekommen, als amerikanische Flieger das Dorf in den letzten Kriegstagen mit Bordwaffen angriffen, er aus der Schule über die Straße flüchtete und in der allgemeinen Verwirrung um ein Haar von einem deutschen Armeefahrzeug überfahren worden wäre.

 

Lehrer Baldauf, der nach dem Kriege unterrichtete, weckte in dem Jungen das Interesse fürs Theater und für den Sport. Herr Baldauf baute mit den Schülern „Auf Romrich“ eine Freilichtbühne und inszenierte dort Operetten und Theaterstücke mit ihnen. Auch einen Fußballverein rief der Lehrer mit ihnen ins Leben. Nach der Schule machte Buldur Studt zunächst eine Lehre als Landwirt und danach eine weiterführende Ausbildung in der Landwirtschaftsschule in Baumholder. Es folgten Anstellungen im Textilwerk Lauterecken (1961), bei der Firma Jung (1974), bei der Raiffeisengenossenschaft (1975) und bei der Mülldeponie Lauterecken und Schneeweider Hof (1991). Seit 2003 befindet er sich im Ruhestand. Baldur Studt hat am Dorfleben immer engagiert teilgenommen und hier wesentliche Impulse gesetzt. Seit seinem 18. und bis zum 60. Lebensjahr war er aktives Mitglied der Kappelner Freiwilligen Feuerwehr wie auch des Kappelner Männergesangvereins. Dem Kappelner Turn- und Sportverein gehört er seit mehr als 40 Jahren an, hatte 8 Jahre lang den Vereinsvorsitz, trainierte 24 Jahre lang die Fußballjugend und ist seit 1995 Leiter der Abteilung Schießen, welche mit zwei Jugend-Schützenkönigen eine der 4 herausragenden Pfälzer Mannschaften stellt und die dieses Jahr auch am Relegationsschießen für die Oberliga teilnimmt. Besonders eindrucksvoll sind seine Leistungen als Intendant des Kappeler Laientheaters. 1982 wurde erstmals unter seiner Leitung „Auch ich war ein Grenadier“ inszeniert. Es wurde ein Bombenerfolg. Danach folgten „Der gute Ruf“ (1983), „Landplage“ (1986), „Ein Fehltritt kommt selten allein“ (1989), „Die Fernsehhelden“ (1992), „Die zwei Neffen aus der Schweiz“ (1994), „Zwei programmierte Schlitzohren“ (1997) und letztlich das Mundartstück „Maximilian der Starke“ (2002). Die Wände seines Arbeitszimmers sind übersät mit Ehrenurkunden, Anerkennungsschreiben, Jubiläumstellern und diversen bronzenen, silbernen und goldenen Ehrennadeln. Die Kappeler wissen zu schätzen, was sie ihrem gewichtigen Mitbürger verdanken.

 

Das Interview führte Wolfgang Werner.